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EINE KINSKI KOMMT SELTEN ALLEIN!

Keine fragen zur famille*, stellt Nastassja Kinski gleich zu Anfang des Gesprächs klar. Überraschenderweise hat die 39-Jährige ihre Tochter zum Interviewtermin im Bel Air Hotel begleitet Eigentlich nicht, um selbst Rede und Antwort zu stehen, sondern um aus dem Hintergrund ein wachsames Auge auf ihre Tochter zu haben. Der 14-jährige Teenager gab, ein bisschen scheu und gleichzeitig unbefangen, sein erstes Interview. Und Mutter Kinski redete natürlich doch mit.

MARIE CLAIRE: Sonja, dies ist dein erster Job als Fotomodell.

Sonja: ...und ich bin so aufgeregt. Besonders, weil ich mit den vielen Fotos aufgewachsen bin, die von meiner Mutter gemacht wurden Am besten gefallt mir das Bild mit der Schlange von Richard Avedon.

MC: Wie bist du überhaupt zum Modeln gekommen?

Sonja: Vor ungefähr einem Jahr wurde ich einer Party in Los Angeles angesprochen und gefragt, ob ich Lust zu Testaufnahmen hatte - hätte ich natürlich. Außerdem wollen mich Patrick Demarchelier und Peter Lindbergh fotografierten, meine Mutter kennt beide schon ihr ganzes Leben. Allerdings habe ich mich erst einmal weiter auf die Schule konzentriert.

MC: Frau Kinski, haben Sie keine Bedenken Sonja so früh der Glamourwelt ausmustern.

Nastassja Kinski: Er ist nun mal ihr Wunsch, sich als Model zu probieren. In der Schule macht sie sich hervorragend, ihre guten Noten hat sie sich hart erarbeitet. Als wir vor sieben Jahren von Italien in die USA zogen, sprach Sonja kaum Englisch. Sie hatte viel aufzuholen.

MC: Also ist das Modeln eine Art Belohnung?

Nastassja Kinski: Sonja liebt es, fotografiert zu werden, und bringt unendliche Konzentration für diesen Job mit. Ganz im Gegensatz zu mir, ich war bei Fotoaufnahmen immer ungeduldig und mochte das ganze Drumherum nie besonders. Dennoch halte ich diese Arbeit für eine gute persönliche Erfahrung: Sonja wird dadurch mehr Selbstbewusstsein bekommen Wer weiß, was sich daraus entwickelt vielleicht will sie später selbst fotografieren.

MC: Haben Sie die von der BBC kürzlich aufgedeckten Drogen - Sexskandale im Model-Business nicht abgeschreckt? .

Nastassja Kinski: So etwas wird meiner Tochter garantiert nicht passieren. Schließlich sorge ich dafür, dass sie nur mit Leuten arbeitet, die ich kenne, oder ich bin persönlich bei den Aufnahmen dabei. Aber junge Mädchen ohne Ruckhalt im Elternhaus können sich sicherlich in dieser Welt verlieren.

Sonja: Meine Mutter hat mich so erzogen, dass ich ganz gut auf mich selbst aufpassen kann. Früher war ich extrem schüchtern und versteckte mich ständig hinter ihrem Rücken. Aber im Moment finde ich gerade für mich heraus, wie spannend es sein kann, auf Leute zuzugehen. Und ich weiß, dass Mum immer für mich da sein wird. Wir haben ein enges Verhältnis und reden über alles.

MC: Mischen Sie sich eigentlich in Sonjas Entscheidungen ein?

Nastassja Kinski: falls sie nicht gut oder gefährlich für sie sein könnten Aber Sonja weis was gut für sie ist. Ich würde mich mit einer Löwin vergleichen, die ihre Kinder machen lässt - und gleichzeitig ständig auf der Lauer liegt, um sie zu beschützen. Sie sollen ihre eigenen Erfahrungen machen. Ich versuche, ihren eine gesunde Umgebung voller Liebe und Vertrauen zu schaffen.

MC: Welche Vorbilder hast du, Sonja?

Sonja: Meine Mutter, ganz klar Schließlich habe ich von ihr alles gelernt, was ich über das Leben weiß, Außerdem bewundere ich auch noch Drew Barrymore, Audrey Hepburn und Mamas Freundin Elizabeth Taylor. Sowohl wegen ihrer Filme als auch wegen ihres Engagements.

Nastassja Kinski: Und was ist mit Leonardo DiCaprio? Den mochtest du doch immer so gern, order?

Sonja: Das war doch vor Ewigkeiten!

MC: Hast du eine Ahnung, was du - vom Modeln mal abgesehen - beruflich machen willst?

Sonja: Na ja, ich will so vieles. Ich habe einige Jahre eine kunstschule besucht. Ich male, seit ich denken kann. Außerdem schreibe und fotografiere ich gern. Und in der Schule interessieren mich Naturwissenschaften am meisten.

Nastassja Kinski: Du könntest doch Medizin studieren, Ärztin war lange Zeit mein Traumberuf.

MC: Und was ist mit der Schauspielerei?

Sonja: Eine Welle dachte ich, das sei das Richtige für mich Schließ habe ich meiner Mutter oft genug bei Dreharbeiten zugeguckt. Mittlerwelle bin ich mir jedoch nicht mehr so sicher. Vielleicht später. Noch fühle ich mich zu jung dafür.

MC: Welcher Film, in dem deine Mutter mitspielte, gefallt dir am besten?

Sonja: So viele habe ich gar nicht gesehen "Your Friends and Neighbours" hat mit gefallen. Alle reden immer über "Tess", den muss ich mir wirklich dringend angucken. In ihrem neuen Film "American Rhapsody" durfte ich in einer kleinen Szene mitspielen. Eine schöne Erfahrung, denn die Regisseurin Eva Gardos war sehr lieb zu mir.

Nastassja Kinski: Ich bin gerade von den dreiwöchigen Dreharbeiten aus Ungarn zurückgekommen.

MC: Wie bekommen Sie Arbeit und Familie unter einen Hut?

Nastassja Kinski: Indem ich versuche, so wenig wie möglich zu reisen. Wenn es unbedingt sein muss, darf es nicht allzu lange sein Mehrere Monate wären undenkbar. Die Schmerzgrenze erreiche ich bereits in der Minute, in der ich abreise. Unsere Familie ist unzertrennlich.

MC: Vor rehn Jahren war deine Mutter Titel-Model der MARIE CLAIRE, heite bist du es. Kannst du dir vorstellen, was du in zehn Jahren machen wirst?

Sonja: Das weiß ich genau: Auf Reisen durch die ganze Welt werde ich sein Hawaii, Italien, New York. In Deutschland bin ich noch nie gewesen. Hoffentlich habe ich dann einen Beruf, der mir das ermöglicht.

Nastassja Kinski: Zehn Jahre später? Ich kann ja noch nicht einmal fassen, dass Sonja und ich beide Stevei Wonder hören oder vor kurzem gemeinsam im Bette-Midler-Konzert saßen - deren Musik habe ich schon gehört, als ich Sonjas Alter war.

MC: Und wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Nastassja Kinski: Bis dahin möchte ich Regie in meinem eigenen Film führen. Vor allem aber hätte ich gern ein Haus auf dem Land Einen riesigen Garten voller alter Bäume mit vielen Tieren und Pferden. Ein Zuhause für meine Kinder, das sie immer haben werden. Etwas, das ich ihnen hinterlasse - für ihre Kinder und deren Kinder. Ich wünsche mir einen friedlichen Ort, der uns Schutz gibt und unsere Verbundenheit ausdrückt - ich selbst kannte so etwas nie.